Geschichte Pasvik


Der Fluss war das Leben: Essen, Wasser und Transportweg. In Jahrtausenden hatten die Ostsamen ihr Leben dem Fluss angepasst. Diesem unverständlichen Phänomen von riesigen Wassermassen, die unablässig Richtung Norden flossen und niemals müde wurden. Selbst wenn der Winter kam mit 40 oder 50 Grand minus und die Wassermassen unter einer meterdicken Eisschicht begrub, gab der Fluss noch Leben: Mit der Axt schlugen die Samen Löcher ins Eis, um ihre Netze auszulegen. Am Fluss stand auch die Kirche. Das eiskalte Wasser wurde zum Taufen verwendet. Der Fluss war die Lebensader für die Samen in Pasvik. Aber das interessierte die strammen Grenzkommissare nicht, die mit ihren Papieren von König und Zar kamen, um Landesgrenzen in dieser Einöde zu ziehen. Man schrieb das Jahr 1826. In ihren Augen war der Pasvikfluss eine billige Verteidigungsmauer zwischen zwei Staaten. Sie zogen einen Strich entlang der tiefsten Rinne im Fluss, und östlich davon lag Russland, westlich Norwegen. Die beiden Kommissare brauchten nur ein paar schöne Sommerwochen, um das Land zu teilen. Das Land der Samen. Aber diese unsichtbare Grenzlinie im Pasvikfluss versetzte den samischen Familien, die in dieser Gegend lebten, den Todesstoss. Eine tausend Jahre alte Kultur ging zugrunde. Gleichzeitig ermunterte die junge norwegische Nation Siedler, sich im Tal niederzulassen. Das war viel billiger, als wenn man Soldaten an diesen Aussenposten der Nation stationierte. Nach der Grenzziehung 1826 veränderte sich das Leben im Tal schnell. Norwegische Bauern und finnische Einwanderer liessen sich nebeneinander nieder. Aber die Siedlungen lagen verstreut, und die Norweger waren in der Minderheit. Desshalb wurde 1905 ein grosses Internat in Strand gegründet, um die norwegischen Interessen abzusichern. 1920 bekam Norwegen einen neuen Nachbarn am anderen Flussufer. Finnland hatte einen Vertrag mit der Sowjetunion geschlossen und erhielt das Ostufer des Pasvikflusses und damit einen Korridor zum Eismeer - den Petsamo-Korridor. Die Finnen entwickelten eine grosse Bauaktivität, was die norwegischen Behörden mit Sorge beobachteten. Noch einmal wurde auf norwegischer Seite ein monumentales Gebäude errichtet: 1934 wurde ein norwegische Holzkapelle fertig gestellt, deren Spitzen die umstehenden Kiefern weit überragten. 1939 begann der Winterkrieg zwischen Finnland und Sowjetunion. In einer Dezembernacht steckten die Finnen alle ihre Häuser am Ostufer des Pasvikflusses in Brand und flüchteten vor den Sowjets. Hunderte kamen in dieser Nacht über das Eis an das norwegische Ufer. Ein Jahr später kam der Krieg wieder in das Tal. Diesmal waren es deutsche Truppen, die Richtung Murmansk rollten. Die Wälder in Pasvik wurden von russischen Kriegsgefangenen abgeholzt, um die deutschen Öfen an der Litzafront warm zu halten. Von den 50er Jahren bis zum Zerfall der Sowjetunion war das Tal geprägt vom kalten Krieg. Der eiserne Vorhang erschwerte den Kontakt. Sogar das Winken zur anderen Seite war streng verboten. Heute ist die Situation völlig anders. Schulklassen aus der Nachbarstadt Nikel sind regelmässig in Pasvik zu Besuch. Das Umweltzentrum Svanhovd wurde gebaut, um die Zusammenarbeit in Umweltfragen zu fördern und den Umweltschutz in diesem nördlichen Gebiet zu überwachen. Russische Schüler studieren an der Volkshochschule in Svanvik. Pasvik ist nach wie vor ein interessantes Grenztal.


[Home] [Natur & Geschichte] [Aktivitäten] [Ortschaften] [Cafés & Restaurants] [Übernachtung] [Anreise] [Transport vor Ort] [Nachbarländer] [T-Info] [Sitemap]
- - - - - - -
•
- alle Angaben dieser Seiten ohne Gewähr -